Attat Hospital in Äthiopien
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»Äthiopien im Wandel der Zeit« 
Erlebnisse als Krankenschwester
und Hebamme in Attat 1982 bis 2010

1982

21 Jahre jung, gelernte Krankenschwester und mit der Vorstellung „die am besten ausgebildete Entwicklungshelferin" zu sein, um den afrikanischen Kolleginnen „den richtigen Weg" zu zeigen, besuchte ich vor 28 Jahren das erste Mal meine Tante Inge Jansen im Krankenhaus Attat. Die Menschen hatten kaum etwas zu essen, obwohl das Land sehr fruchtbar ist; keine Steppe, wie ich sie mir vorgestellt hatte. In den Geschäften gab es nichts zu kaufen, außer importiertem Milchpulver (gespendet von Firmen für Muttermilchersatznahrung). Zum Anrühren war jedoch kein sauberes Wasser (nur das aus dem Fluss) vorhanden. Dies führte zum Tod zahlreicher Kinder.

Die Menschen konnten von ihrem geringen Lohn kein teures Getreide kaufen. Lediglich das „Katcho", ein fermentierter Brei aus dem Stamm der Ensete Pflanzen, half ihnen zu überleben. Säuglinge, die ins Krankenhaus kamen, hatten Hungerbäuche. Viele starben nach zweijähriger Stillzeit an Mangelernährung. Doch das Hospital bewirtschaftete bereits einen Lehrgarten und baute während der Regenzeit Gemüse an. Schwester Inge stöhnte immer, wie lange es doch brauche den Einheimischen eine Alternativkost nahezubringen. Trotz der Armut wurden die Angestellten und Schwestern des Krankenhauses öfters zu äthiopischen Festessen eingeladen und die wertvolle Nahrung mit ihnen geteilt - als Dankeschön für eine Heilung oder gelungene Operation.

Es war für mich ein sehr zurückgezogenes Leben im Jahr 1982. Mein Frust, dass ich im Krankenhausalltag nichts verbessern konnte, sondern von den meist noch im Unterricht befindlichen äthiopischen Krankenschwestern und -pflegern lernen und Respekt vor deren Arbeit haben musste, hat mich gelehrt mein Entwicklungshelfersyndrom abzulegen. Die Rückkehr nach Deutschland war ein Kulturschock, doch durch das Verständnis und die intensiven Gespräche mit meinem jetzigen Mann habe ich ihn damals gemeistert.

So bin ich anschließend in die Hebammenausbildung gegangen, um später noch einmal in den Entwicklungsdienst (diesmal für mich) zurückzukehren. Meine Liebe zum Hebammenberuf, meine Hochzeit, die Familienplanung, das Erziehen und Aufwachsen von drei Kindern hat mich in den nächsten Jahren nur noch gedanklich, und durch Initiativen zum Spenden sammeln, an der Entwicklung in Äthiopien teilnehmen lassen.

1982 - 2005

Dank vieler Spenden konnte in Attat die medizinische Hilfe, der Brunnenbau für frisches Wasser - vor allem auch MISEREOR zu verdanken - und der dörfliche Basisgesundheitsdienst in der Region rund um das Krankenhaus ausgebaut werden. Natürlich immer gemeinsam mit den Dorfgemeinschaften, denn nur wenn diese Zusammenarbeit klappt, haben die Projekte auch Zukunft.

Hand in Hand mit den Dorffrauen, den Dorfältesten, der WHO für die Impfstoffe, der Regierung für die Beschaffung der Medikamente und der Katholischen Kirche als Eigner des Krankenhauses, arbeiten die Missionsärztlichen Schwestern mit den Angestellten an dem Projekt der Gesundheitsvorsorge.

2005

Erst im Jahr 2005 - 23 Jahre danach - flog ich mit meinem Mann wieder nach Addis und Attat. Welch eine Veränderung war vonstatten gegangen: Nun brauchte man für die 180 Kilometer von der Hauptstadt zum Krankenhaus nur noch drei statt acht Stunden Fahrzeit. In den Geschäften konnte man jetzt Waren kaufen, wenn man denn Geld hatte. Noch mehr Menschen leben in der Hauptstadt, aber es gibt nun viele Schulen - auch für Mädchen. Immer noch wurde gebettelt auf der Straße, aber auch Kleinigkeiten verkauft, um etwas Geld zu verdienen.

Die Gegend rund um das Attat Hospital hatte sich sehr gewandelt, die Dörfer sind größer mit mehr Infrastruktur, sogar Stromversorgung, die dem Krankenhaus auch das Telefon gebracht hat. Es gibt endlich das so wertvolle Gemüse auf dem Markt, wo wir als Exoten umringt wurden. Mein Mann bot mir eine Orange zum Testen der Süße an, aber ich hatte den (Sonnen-)Schirm und die Tasche in der Hand, so steckte er sie mir in den Mund. Da wurden wir laut und herzlich ausgelacht. Unser äthiopischer Begleiter verriet den Grund: In Äthiopien füttern sich nur die Verliebten - und so passte es doch.

2008

Drei Wochen Arbeitsurlaub in Äthiopien, welch eine Freude und Aufregung für mich. Gleich am ersten Tag zog ich meine Dienstkleidung an und ging mit auf die Station. Soforthilfe ist angesagt, zwei Hände mehr sind immer etwas Gutes. So operierte ich mit Sr. Rita im OP und half wo es möglich war. Doch meine Tante Inge wollte mir auch etwas vom Land zeigen. Wir reisten eine Woche nach Gambela zur kenianischen Grenze. Mein Erstaunen war groß. Das fruchtbare Umland rund um Addis erstreckt sich über 600 Kilometer, erst dann kommen die tieferen Ebenen mit dem Steppenland und der Hitze. Heute wird das Land an indische Industrielle für Rosenfarmen verkauft. In den letzten Wochen half ich wieder im Krankenhaus und konnte bei der Visite sehen, wie dankbar die Menschen sind, für die - bei uns so selbstverständlich gewordene - gesundheitliche Versorgung und die Hilfe bei komplizierten Geburten.

2010

Unser Besuch hat einen besonderen Grund. Tante Inge ist seit 40 Jahren in Äthiopien, sie hat Goldenes Ordensjubiläum und wird 75 Jahre alt. Wir kommen mit zwölf Verwandten angereist, mit dabei sind mein Mann und zwei meiner drei Kinder.

Ein großes Fest wird gefeiert mit den Verwandten, den Ordensfrauen und an einem Tag auch mit allen Angestellten. Es gibt einen schlichten, aber beeindruckenden Gottesdienst, gehalten vom äthiopischen Orts-Bischof. Ein großes gemeinsames Essen, viel Tanz und Gesang - mitten drin Sr. Inge im prachtvollen einheimischen Gewand. Sie sagt: „Dies hier ist meine Heimat, hier lebe ich, hier arbeite ich und hier werde ich bis zu meinem Lebensabend bleiben."

Ein Ausflug nach Konchi zeigt uns allen die Schönheit des Landes, ein Kratersee auf 3100 Metern über dem Meeresspiegel wird per Maultier erkundet - ein stilles, schönes Land, in dem die Menschen ein sehr einfaches Leben führen.

Für mich steht fest, dass es ein Wiedersehen geben wird - mit dem Land, den Menschen und den Ordensfrauen, die sich für die Gesundheit der Bevölkerung so effizient einsetzen. Ein Ausspruch, der im Krankenhaus oft gebraucht wird, ist mir ein Wegweiser fürs Leben: „Eisusch, eisusch!" - übersetzt heißt dies: „Nur Mut, nur Mut!"

»... Die Menschen machten eine zufriedenen Eindruck. Es schien, als mochten sie ihr Leben und würden es genau so glücklich leben wie wir in Deutschland das unsere.« (Nora, 17 Jahre) 

»... Mich hat gewundert, was für eine große Fläche
die Krankenhausanlage einnimmt und wie gut das organisiert ist, wenn man bedenkt, das jeden Tag mehrere Hundert Menschen die Dienstleistungen in Anspruch nehmen.«
(Till, 16 Jahre) 

 

»... Ich habe großen Respekt vor der Arbeit der Missionsärztlichen Schwestern und finde es ganz toll und stark, dass sie sich für diesen Weg entschieden haben. Sie können stolz auf sich sein, weil sie jeden Tag vielen Leuten neue Hoffnung auf ein besseres Leben rund um Attat geben.« (Till, 16 Jahre) 

»... Das Klima war sehr angenehm, die Bevölkerung größtenteils aufgeschlossen, offen und freundlich. Die Landschaft ist wunderschön und es macht Spaß die Sonne zu genießen.«
(Till, 16 Jahre) 

 

»... Es war ein angenehmer Geruch nach Natur, der aber recht schnell vom Smog der zahlreichen Autos und Taxen, die in Addis nachts so rege fahren wie am Tag, überdeckt wurde. Es gibt viele moderne hohe Gebäude, aber auch zahlreiche Wohngebiete, die aus Wellblechhütten bestehen. Die Armut ist kaum zu übersehen.«
(Till, 16 Jahre)

 

»...Mein Eindruck war auch, dass die Menschen besser in einem Dorf leben können, in ihrem Tukul, mit der Familie und ihren Tieren, als in der Hauptstadt. Wenn man auf der Hauptstraße durch so ein Dorf fuhr, fiel auf, dass viele Bewohner zusammen saßen und den Tag gemeinsam verbracht haben. Die Gemeinschaft in den Dörfern ist sehr stark.« (Nora, 17 Jahre) 

 

»... Die Missionsärztlichen Schwestern sind sehr nette, offene Frauen. Ich bewundere sie dafür, dass sie ihr Leben für andere Menschen leben und den Luxus, den sie in Deutschland haben könnten, nicht vermissen. Diese Selbstlosigkeit hätte ich nicht. Gerade diese Einsicht, dass ich selbst viel zu verwöhnt bin um so zu leben, zeigt mit, was für große Dinge die Schwestern in Afrika zu Stande bringen und damit das Leben der Menschen dort verbessern. Das, was die Schwestern dort bewegen und was sie selbst dafür zurückstecken, lässt mich sie noch mehr beachten.
Ich bin sehr froh, dass es solche Menschen gibt und dass wir sie mit unseren Mitteln so gut es geht unterstützen, damit sie ihr Werk weiter führen können. Eine Spende an das Krankenhaus ist eine gute Möglichkeit für mich, auch ein bisschen dazu beizutragen, dass die Welt Stück für Stück besser wird und sich die Bedingungen in den armen Ländern verändern und verbessern.«
(Nora, 17 Jahre) 

 

»... Die Patienten liegen sehr eng mit zirka zwölf Leuten in
einem Raum und häufig noch mit Verwandten - so etwas wäre
in Deutschland undenkbar ... darüber hinaus gibt es einen Massenandrang auf die Medikamente, und sehr viele Kranke
müssen auf die Behandlung warten.«
(Benedikt, 17 Jahre) 

 

»... Allgemein kann ich sagen, dass mir dieser Besuch gezeigt hat, wie wichtig die Spenden für das Krankenhaus sind. Außerdem habe ich mir selbst das Versprechen gegeben, später ... wenn ich genug Geld verdienen werde, regelmäßig zur finanziellen Unterstützung der Missionsärztlichen Schwestern in Attat beizutragen.«
(Nora, 17 Jahre) 

 

»... Besonders gefiel mir das Wetter, welches nicht zu heiß
und nicht zu kalt war. Der nächtliche Regen hat kaum gestört
und es morgens angenehm kühl gemacht.«
(Nora, 17 Jahre) 

Christel Remke-Smeenk 
Fotos: © Christel Remke-Smeenk

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